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Digital Na(t)ives – Alles nur ein Missverständnis?!

Aug 27, 2014

Manche Worte erzeugen in unseren Köpfen eine Illusion von etwas, das es in der Realität eigentlich gar nicht gibt. Nicht immer ist das gut.

Unsere Sprache ist häufig genauso täuschend, wie ein Zauberkunststück: während der Orangensaft aus Orangen besteht, ist der Hustensaft zum Glück nicht aus Husten sondern hilft idealerweise dabei, diesen zu lindern. – Und wenn Sie Ihrer Familie eine Freude machen wollen, ist ein Besuch im Freizeitpark meist besser geeignet, als der im Freudenhaus. 

Das ist doch selbstverständlich, werden Sie denken, aber manchmal bin ich mir nicht so sicher, ob jedes Wort, das wir verwenden, sich tatsächlich von selbst versteht.  

Ganz besonders dann, wenn wir uns anderer Sprachen bedienen. „Digital Natives“ ist so ein Beispiel. Ein Wort, das erfunden wurde, um Menschen zu beschreiben, die mit digitalen Technologien wie Mobiltelefonen und dem Internet aufgewachsen sind. 
Kurz: alle, die nach 1980 geboren sind.

Ein Zauberkasten macht keinen zum Copperfield, ein Smartphone keinen zum Digital Native

Niemand würde auf die Idee kommen, dass ein Zauberkasten allein einen zu einem zweiten Copperfield macht. Aber zu viele Menschen glauben leider immer noch, dass die Tatsache mit digitalen Medien aufzuwachsen, dazu führt, dass man sich perfekt damit auskennen müsse. 

Und genau hier liegt das große Missverständnis: die Axt im Haus ersetzt vielleicht den Zimmermann, nicht aber den Fachkundigen, der sie führt. Eine Freundin von mir arbeitet in der Notaufnahme im Krankenhaus, die kann Ihnen ein Lied davon singen, wie viele das Gegenteil glauben...

Digitale Kommunikation benötigt eine klare Strategie

Das gleiche Phänomen beobachtet man in der Geschäftswelt: viele Unternehmen schreiben „Digital Natives“ Fähigkeiten zu, die diese nicht automatisch besitzen, weil sie mehr Zeit ihre Lebens auf Facebook verbringen, als ein Fisch im Wasser. 

Digitale Medien selbst zu nutzen und zu wissen, was man eigentlich macht, sind verschiedene Dinge. Nur weil jemand regelmäßig twittert, bedeutet das noch lange nicht, dass diese Person ein Unternehmen auch erfolgreich in digitalen Medien vertreten kann. Hier spielen noch andere Aspekte eine wichtige Rolle: strategisches Denken zum Beispiel.

Das will ich keinem „Digital Native“ abstreiten, wohl aber dazu anregen, dass es auch ältere Mitarbeiter gibt, die genau verstanden haben, wie digitale Kommunikation funktioniert. Auch wenn diese sich noch gut an eine Zeit ohne Mobiltelefon und Internet erinnern können. Damals, als das Wort „Freund“ noch eine andere Bedeutung hatte, als im heutigen Facebook-Zeitalter...